Neue Fragen braucht der Mensch…

Letztens lass ich auf einen Blog-Post von Antje Schrupp[1], in dem sie die These vertritt, der aktuelle Backslash der sogenannten konservativen Werte, wäre daraus zu erklären, dass wir den Jungen und Mädchen die Antworten auf die Frage schuldig bleiben, was es bedeutet ein Junge oder ein Mädchen zu sein.

Konkret meine ich dabei folgende Abschnitte:

[…] solange wir Erwachsenen eine zweigeschlechtliche Welt vorleben, müssen wir auch für Kinder die Frage, was Geschlecht denn nun bedeutet, beantworten.“ [1, 10. Absatz]

und

Geschlecht ist eine soziale Konstruktion […]. Es reicht nicht, [sie] zu entlarven, denn dann bleibt Nichts übrig, ein Vakuum, das mit Prinzessinnen, Rittern, Puppenküchenbetreiberinnen und Baggerfahrern befüllt wird.“ [1, 12. Absatz]

Sie kommt ebenda zu dem Schluss, dass wir neue Antworten auf diese Fragen finden müssen:

Veränderung wird es nur geben, wenn wir denjenigen Konstruktionen, die wir für falsch halten, andere entgegensetzen, die wir besser finden.“ [1, 12. Absatz]

Im folgenden will ich mich mit ihrem Gedanken auseinander setzen, den ich grundlegend für richtig halte und warum ich ihrer Schlussfolgerung nicht unwidersprochen zustimmen kann.

So sehe ich die Problematik auch, dass die Kinder in eine Welt hineingeboren werden, die in sich so voller Widersprüche ist, dass sie gefühlt kurz davor ist zu zerreißen. Einen großen Anteil daran hat meiner Meinung nach der Umstand, dass „die Emanzipation auf halber Stecke steckengeblieben [ist]“ [2, Einleitung S. 34]. So nehmen die Kinder auf der einen Seite sehr wohl noch die geschlechtliche Separation und den Sexismus wahr, auf der anderen Seite hingegen ebenso wie dieser Zustand mantraartig nach außen immer wieder wieder als „Gleichberechtigt“ bezeichnet wird.

Damit verliert der Begriff der „Gleichberechtigung“ ähnlich wie der Postgender-Begriff [vgl. 3] seine rationalen Wurzeln als Beschreibung eines Ist-Zustandes und wird immer mehr als Dogmatismus wahr genommen und erhält immer mehr den gleichen Wert wie der sogenannte „real existierende Sozialismus“ in der DDR. Das ist von den Gegner*innen der Gleichstellungsdebatte sehr wohl so gewollt um den Status Quo weiter aufrecht zu erhalten oder sogar das Rad wieder zurück zu drehen und führt bei den entsprechenden Aktivist*innen regelmäßig zu einem regelrechten „Feminist Bore-Out“ [vgl. 4].

Und hier sehe ich tatsächlich eine Zwickmühle, weil wir hier an einen Punkt angekommen sind, an dem es nicht mehr weiter geht. Einfach nur die Antworten zu geben, wie wir gerne leben wollen würden reicht nicht. Kinder sind sehr intelligent und durchschauen, dass wir uns damit selbst anlügen. In erster Linie müssen wir selbst so leben, wie wir gerne leben wollen. Was wir aber nicht so leicht schaffen, solange wir uns in dem Netz der „einfachen Antworten“ immer wieder verheddern.

Um nur ein paar zu gesellschaftliche Widersprüche zwischen den Antworten und wie wir dann handeln zu nennen:

So lange wir immer wieder nur Antworten fordern, werden wir letztendlich immer wieder zu einem Punkt kommen, wo auch diese Antworten wieder zu einer gesellschaftlichen Dissonanz führen. Dem möchte ich als Gegenentwurf die Idee der Frage gegenüberstellen. Präziser, der wissenschaftlichen Frage.

Unseren Wissenschaftlichen Fortschritt verdanken wir vor allem dem Loslassen der alten Antworten und der offenen Hinwendung zu den Fragen, die die Antworten nicht selbst in kryptischer Form vorweg nehmen. Dazu war aber vor allem ein gewisses Fundament an Wissen und Bildung erforderlich, dass den Werkzeugkasten für die Aufklärung bereitete.

Und so sehe ich auch hier den Ansatz die oben genannten fehlenden Antworten vor allem durch Gegenfragen zu beantworten: „Wie willst du selbst leben?“ und „Was bedeutet es für dich selbst?“ Natürlich unter der Prämisse einer Ethischen und Sozialen Grundbildung, und das Handlungen frei nach der Devise „Behandle andere stets so, wie du selbst behandelt werden willst!“, wieder auf die eigene Person zurück fallen.

Quellen:

  1. Schrupp, Antje: „Geschlechterdifferenz sucht Kultur, dringend!“, Blog-Post www.AntjeSchrupp.com, http://antjeschrupp.com/2014/04/23/geschlechterdifferenz-sucht-kultur-dringend/, Abgerufen am 27.04.2014
  2. Brandt, Andrea; Kraft, Steffen; Meyer, Cordula; Neumann, Conny: „Die Frauen-Falle“, Der Spiegel 17/2006 S. 34ff (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46707658.html, abgerufen am 27.04.2014)
  3. Thomas, Alexander: „Der Begriff Postgender ist gefährlich“, Asaekante.de, http://www.asaekante.de/?p=316, abgerufen am 27.04.2014
  4. Shehadeh, Nadia: „Feminist Bore-Out“, Blog-Post www.shehadistan.com, http://shehadistan.com/2014/04/15/feminist-bore-out/, abgerufen am 27.04.2014
  5. Redaktion: „Gewalt gegen Frauen: sie passiert täglich und in allen Kontexten“, Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, http://fra.europa.eu/de/press-release/2014/gewalt-gegen-frauen-sie-passiert-taglich-und-allen-kontexten, abgerufen am 27.04.2014
  6. Redaktion: „Statistik“, BPW Germany e.V, http://www.equalpayday.de/statistik/, abgerufen am 27.04.2014
  7. Redaktion: „Wie groß ist der Unterschied wirklich?“, Zeit Online, http://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-03/lohnunterschied-geschlechter-statistik, abgerufen am 27.04.2014
  8. Kreye, Andrian: „Lasst die Versager versagen“, Süddeutsche.de, http://www.sueddeutsche.de/politik/mitt-romney-und-der-calvinismus-lasst-die-versager-versagen-1.1495079, abgerufen am 27.04.2014
  9. Jakob, Christian: „Imagepflege der Grenzschützer“, taz.de, http://www.taz.de/!110767/, abgerufen am 27.04.2014

Weitere Informationen:

  1. Busch, Anne: „Die innerfamiliäre Hausarbeitsteilung: Bestimmungsgründe und subjektive Wahrnehmung.“, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, http://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/62882/busch.pdf, abgerufen am 27.04.2014

Edit:

  • Quelle 4 korrigiert. Danke an Nadia fürs aufmerksam machen! 🙂
  • Satzbau in dem entsprechenden Absatz korrigiert.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Klassismus, Philosophisches, Politisches, Rassismus, Sexismus, Wissenschaften veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Neue Fragen braucht der Mensch…

  1. Nadia sagt:

    Ich danke für’s Verlinken und merke kurz an dass ich mit „i“ geschrieben werde. Greetz und eine schöne Woche! Nadia 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.