„Genderwahn und Frühsexualisierung“

Die zunehmende Tabuisierung der einvernehmlichen Sexualität bei zunehmender sexistischer Sexualisierung, in den verschiedenen Medien sehe ich sehr skeptisch, da sie als Mittel verwendet werden können um selbst sexuelle Übergriffe nicht mehr ansprechen zu können. Und ist somit als Teil der sogenannten R*pe Culture zu sehen.

Auf der Facebook-Timeline einer Bekannten, die ein Poem gepostet hat, das den Namen „Sex Education is a Human Right“ trägt:

Einer Aussage, der ich vollkommen zustimmen kann, denn in dem Maße, in dem ich meine eigenen Tabus Schritt für Schritt überwunden habe, habe ich die Fähigkeit erlangt zu meinen Bedürfnissen und Wünschen zu stehen, kann ich offen Fragen und für mich selbst sorgen. Und so kann meine Sexualität selbst ein Geschenk sein, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und zur*m richtigen Partner*in. Ich kann offen darüber sprechen.

Ja, ich kann offen darüber sprechen, in einem Umfeld, das ehrlich und einfühlsam ist. In dem ich selbst Fragen kann, ob es in Ordnung ist, wenn ich etwas anspreche und auch ehrliche Antworten bekomme. Doch ich weiß auch, dass es nicht überall so ist. Und so sehe ich hier einen Zusammenhang zwischen der Tabuisierung der Sexualität und der sexistisch patriarchalischen R*ape Culture[1].

Vergleich mit dem Bildungsplan 2015

Allein das Vorgehen der Gegner*innen des sogenannten Bildungsplans 2015 in Baden-Württemberg zeigt in den Argumentationsstrukturen deutliche Zeichen von struktureller Gewalt, wie sie in ALLEN anti(-LGBTTI*Q-)sexistischen (LGBTTI*Q = Lesbian Gay Bi Transsexual Transgender Inter*[* = sexual, gender] und Queer) Diskussionen zu finden sind. Wer sich davon ein Bild machen will, dem sei der Artikel von Nele Tabler nahegelegt, in dem sie über die sexualiserte Gewalt in und um die #idpet erlebt hat[2].

Unter der Verlinkung des Oben verlinkten Videos kam es nach kurzer Zeit zu Aussagen, die stark an die Aussagen wie sie auch im Rahmen des Bildungsplans 2015 BaWü getätigt wurden. Hauptvorwurf ist die Frühsexualisierung von Kindern, die dann doch in den Schulen mit Dildos und Analverkehr üben(?) sollen? Und noch viel schlimmer, in Kindertagesstätten.

Screenshot einer Facebook-Unterhaltung

Screenshot einer Facebook-Unterhaltung

Also mal ganz abgesehen davon, das solche Aussagen meist aus dem rechtskonservativen beziehungsweise sogar rechtsradikalem Mileu getätigt werden sind sie so gefährlich wie falsch! Zum einen stand auch in dem Bildungsplan mit keinem Wort, dass sexuelle Praktiken und die sexuelle Vielfalt praktisch vorgelebt werden sollte, sondern sie sollte nur erwähnt werden, als ein ganz natürlicher Bestandteil unseres Lebens und unserer Gesellschaft.

Und hier kann eine der Ursachen festgemacht werden, warum allein die Erwähnung oder die Existenz von Menschen, die sich für eine individuelle Sexualität entschieden haben, so vehement bekämpft werden. Das Tabu um die Sexualität wird aufgeweicht.

Bedeutung des sexuellen Tabus

In unserer Gesellschaft ist die individuelle Sexualität immer noch mit einem starken Tabu belegt. Das mag in Anbetracht der immer stärker werdenden Sexualisierung der Medien, paradox erscheinen, das erklärt sich aber schnell auf, wird betrachtet auf welche Formen das Tabu liegt und auf welchen nicht.

Zum einen ist die öffentliche Wahrnehmung, durch die Medien und vor allem die Werbung, stark von einer sexistischen Sexualisierung betroffen, die auf mehreren Ebenen wirkt, denn es werden vor allem heteronormative patriarchalische Rollen in einer romantischen Zweierbeziehung dargestellt. Diese Sexualität wird als Standard präsentiert, der nicht in Frage gestellt werden darf. Dabei wird bereits das aussprechen als Gefährdung der Hegemonie verstanden.

Alles andere wird verschwiegen und unterliegt dem Tabu. Ob jetzt Nichtheterobeziehungen, Mehrfachbeziehungen, ja sogar Asexualität, Sexualität außerhalb einer klassischen Familie und vieles mehr.

Und so trägt diese Tabuisierung, mit anderen, wie unter anderem auch Rassismus, maßgeblich zu den Rückschritten im Bereich der Rechte von Sexworker*innen, BDSM usw. bei. Denn gerade im Bereich der Sexworker*innen wird paternalistisch allen betroffenen Personen prinzipiell unterstellt, sie würden an einer Art Stockholmsyndrom leiden und es ihnen eigentlich kein Spaß machen. Alle Gegenstimmen aus dem Bereich werden rigoros mit diesem Vorwurf weggebügelt und zum Schweigen gebracht (Silencing[3]).

In einem anderen Feld befördert das in zweifacher Hinsicht die sexualisierte Häusliche Gewalt bis hin zu Vergew*en.

 

Einschub

Jede sexuelle Handlung ohne gegenseitiges Einverständnis und Einwilligung aller daran Beteiligten bei vollem Bewusstsein voller Zurechnungsfähigkeit ist eine Vergew*!

Der Paragraph § 177 des deutschen StGB ist zum jetzigen Stand (Juli 2014) kodifizierte R*pe-Culture! (Siehe auch[4].)

 

Sexuelles Tabu und R*pe-Culture

Durch die Tabuisierung der individuellen Sexualität gerade bei Frauen, Lesben, Trans*-Menschen (FLT*) wird ihnen von der Gesellschaft eine große Scham anerzogen, über sexuelle Übergriffe überhaupt zu sprechen. So werden viele Vergew* auch deswegen nicht angezeigt, weil sie betroffenen Personen sich einfach schämen, dass ihnen das passiert ist.

Zu dieser Scham trägt gerade das Bild der Frau als „holde Maid“ nicht unmaßgeblich bei, nachdem Frauen sich ihrer Sexualität zu schämen haben. Dieses sogenannte Slut Shaming[5], wie es im feministischen Diskurs bezeichnet wird, führt dann unter anderem auch zu dem irrsinnigen Vorurteil, dass Frauen eigentlich „Ja“ meinen, wenn sie „Nein“ sagen. Dass davon auch die männliche Sexualität betroffen ist, ist klar und möchte ich an der Stelle nicht weiter vertiefen.

Kurz gesagt: Die Menschen trauen sich nicht offen über ihre sexuellen Bedürfnisse zu reden, Übergriffe werden aus Scham nicht angesprochen und es wird ein entmenschlichtes und leistungsorientiertes Bild der Sexualität vermittelt.

Alternativen

Die Lösung ist klar: Sexuelle Aufklärung und zwar eine, die den Namen als solche verdient. Nicht eine, in der die Lehrkraft ganz schüchtern einen Projektor von 1960 in das Klassenzimmer rollt, anmacht und dann fluchtartig den Raum verlässt, während in dem Film Amöben beim horizontalen Gentransfer gezeigt werden.

Ein Sexualkundeunterricht, wie er, mangels Alternativen und Rückrad auf Seiten der Politiker*innen, von privaten Organisationen wie zum Beispiel SchLAu[6] und anderen Organisationen durchgeführt wird.

Dabei treffen gerade die Aktivist*innen dieser Organisationen, die eigentlich gegründet wurden um auf LGBTTII*Q aufmerksam zu machen, auf Klassen ja sogar Semestern in Universitäten die selbst in Heterosexualität vollkommen Ahnungslos sind. Wohlgemerkt, hier geht es nicht um Kinder[!!!] hier geht es um Jugendliche und junge Erwachsene, die sehr wohl wissen, wie eine Websperre umgangen werden kann.

Quellen:

  1. Verschiedene: „[R*pe] Culture“. Feminismus 101.de. http://feminismus101.de/rape-culture/. Abgerufen am 06.07.2014
  2. Mayer, Andrea, Tabler, Nele: „#idpet – Wenn Partizipation und Grundrechte kollidieren.“. re:publica 2014. http://re-publica.de/session/idpet-wenn-partizipation-und-grundrechte-kollidieren. Abgerufen am 06.07.2014
  3. Verschiedene: „Silencing“. Geek Feminism Wiki. http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Silencing. Abgerufen am 06.07.2014
  4. Hennemann, Laura: „Eine Vergewaltigung, ein Aufschrei und ein ‚Ach so…’“. Watch-Salon. http://watch-salon.blogspot.de/2014/06/paragraph-177.html. Abgerufen am 06.07.2014
  5. Verschiedene: „Slut Shaming“. Feminismus 101.de. http://feminismus101.de/slut-shaming. Abgerufen am 06.07.2014
  6. Verschiedene: „Schwul Lesbisch Bi Trans* Aufklärung“. SchLAu NRW. http://www.schlau-nrw.de/index.php. Abgerufen am 06.07.2014
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