Das Prostituierten-Schutz-Gesetz als Mittel der Kontrolle über die Sexualität von Frauen*

In einem Aufruf zur Demo „5-vor-12“[1] sprach ich davon, dass das Prostituierten-Schutz-Gesetz (ProstSchG) sehr wohl und auch insbesondere polyamor oder promisk lebende Frauen* betreffen wird.

In diesem Text beschreibe ich, warum ihr gegen die Einschränkungen im Rahmen des ProstSchG sein solltet, auch wenn ihr nicht Pro-Sexworking seid.

@Voice4Sexworkers hat mich darauf hingewiesen, dass sie bereits vor einem Jahr ähnliche Gedanken hatten, die ich hier Verlinke[a] [CN: genMas]:

Warum bin ich dieser Meinung? Ein Beispiel, das ich in diesem Zusammenhang aufzählte, war der*die böse Nachbar*in, der die Frau* wegen illegaler Prostitution anzeigen könnte. Wobei es hier nicht notwendigerweise die Nachbar*innenschaft sein muss, die hier diskriminierend auftreten muss. Denn mir fallen dazu auch einige Berichte ein, nach denen fast ausschließlich Frauen*, auf der Straße aufgehalten und Erkennungsdienstlich behandelt wurden (was für ein Euphemismus!), weil sie fälschlicherweise für Prostituierte gehalten wurden, nur aufgrund der Tatsache, dass sie Kondome mit sich führten.

Mal abgesehen davon, was das über eine Gesellschaft aussagt, die die Sexualität der Frau* und den Verkauf von sexuellen Dienstleistungen so dermaßen Tabuisiert, dass es den Begriff „illegale Prostitution“ überhaupt gibt.

Weiterhin kommen mir immer wieder Geschichten zu Ohren, nachdem gerade Frauen* die Freizügigkeit nach dem Schengen-Abkommen eingeschränkt wird, weil von ihnen im Vorhinein ausgegangen wird oder zumindest ein Verdacht besteht, sie würden diese Freizügigkeit ausnutzen (wieder ein Wort, das den Zustand unserer Gesellschaft beschreibt) um Prostitution nachzugehen.

Dass das ProstSchG von großen Teilen dieser sexistisch rassistischen Gesellschaft mitgetragen wird, spricht auch deutlich dafür, welchen Geistes Kind dieses Gesetz ist und noch mehr, dass es der Union nicht weit genug geht.

Um nochmal auf die Eingangs beschriebene Situation zurück zu kommen: Ich stelle mir nun eine Frau* vor, die sehr im Reinen mit ihrer Sexualität ist und mit Freude auslebt. Sie bekommt mehr oder weniger regelmäßig wechselnden Männer*-Besuch (Frauen* würden hier nicht in das heteronormative Weltbild passen und damit wahrscheinlich nicht auffallen).

Ich kann mir nun eine Situation vorstellen, in der in der Nachbar*innenschaft Neid, Missgungst und Verdächtigungen die Runde machen. Vielleicht wird ihr von den Nachbar*innen auch unterstellt, dass sie Prostitution betreiben würde, weil es in ihrer spießbürgerlichen sexistischen Welt kaum vorstellbar ist, dass Frau* einfach nur Spaß am Sex hat (auch als Sex-Shaming[2] [ich empfinde den Begriff Slut-Shaming mittlerweile selbst als problematisch[3]] bekannt).

Bis dato sind die Hürden jetzt relativ hoch, dass negativ auf das Leben dieser Frau von rechtlicher Seite eingegriffen wird. Denn bis jetzt steht Aussage gegen Aussage und selbst nach einer Anzeige müsste das Ordnungsamt/die Polizei erst einmal nachweisen, dass es sich um Prositution handelt. Auch Zivilrechtlich wäre eine Kündigung aufgrund „unzüchtigen Verhaltens“ sehr schwer (was nicht heißt, dass es nicht schon oft genug vorgekommen wäre).

Mit dem ProstSchG soll aber die Unverletzlichkeit der Wohnung massiv eingeschränkt werden und so sehe ich die Hemmschwelle für Hausdurchsuchungen vor allem für Frauen* deutlich sinken und allein dieses Damoklesschwert wird eine vorauseilende Zensur im Kopf durchführen.

Und noch ein letztes Wort für alle Verfechter*innen von „Tantra-Massagen sind doch keine echte Prostitution!“: Glaubt ihr wirklich das interessiert die Leute hinter dem ProstSchG auch nur einen Millimeter?

Hint

Das „*“ Symbolisiert die Non-Binarität und soziale Konstruiertheit von Gender und Geschlecht. Geschlecht und Gender sind ein weites Feld von denen Mann und Frau nur zwei verschiedene Achsen beinhaltet auf denen sich Menschen bewegen können.

Quellen

[1] Verschiedene: „Plattform Frankfurt – freie Berufsausübung in der Prostitution“. Plattform Frankfurt 13. Juni, http://plattform-frankfurt.de/. Abgerufen am 24.05.2015

[2] Verschiedene: „Slut-Shaming“, feminismus101.de http://feminismus101.de/slut-shaming/. Abgerufen am 24.05.2015

[3] Nerdy Feminist: „Is „Slut Shaming“ an appropriate term?“, Nerdy Feminist, http://www.nerdyfeminist.com/2014/06/is-slut-shaming-appropriate-term.html. Abgerufen am 24.05.2015

[a] Verschiedene: „Warum dem “normalen” Bürger die Anti-Prostitutions-Kampagne nicht egal sein sollte“, Voice4Sexworker, http://www.voice4sexworkers.com/2014/04/26/warum-dem-normalen-burger-die-anti-prostitutions-kampagne-nicht-egal-sein-sollte/. Aufgerufen am 25.05.2015

Edit

  1. Den Blogtext von Voice4Sexworker verlinkt. Leider zum Teil im genMas geschrieben. 🙁
  2. Definition von Gender und Geschlecht um die soziale Konstruiertheit ergänzt.
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